Mehr als Termine und Planung: Die wachsende wirtschaftliche Verantwortung der Projektleitung

Früher lag die wirtschaftliche Steuerung eines Architektur- oder Ingenieurbüros meist bei der Geschäftsführung. Diese kannte jedes Projekt und kontrollierte nach Gefühl und Erfahrung. Die Projektleitung konzentrierte sich auf Entwurf, Planung, Termine und die Kommunikation mit Bauherr und Fachplanern.
Das funktioniert auch heute noch, solange ein Büro überschaubar bleibt. Mit steigender Projektanzahl und mehreren Projektleitern kann eine einzelne Person nicht mehr jedes Projekt im Detail begleiten.
Gleichzeitig verzeiht der gestiegene Margendruck, nicht zuletzt seit dem Wegfall der verbindlichen HOAI-Mindestsätze, immer weniger, wenn ein Projekt unbemerkt aus dem Ruder läuft. Die wirtschaftliche Verantwortung verlagert sich dadurch zwangsläufig näher an das einzelne Projekt – und damit an die Projektleitung.
Hinzu kommt ein struktureller Effekt: In vielen Büros gibt es keine zweite Führungsebene zwischen Projektleitung und Geschäftsführung, die diese Aufgabe auffangen könnte. Wächst das Auftragsvolumen schneller als die Organisation, landet die zusätzliche Verantwortung dort, wo das meiste Wissen über das einzelne Projekt vorhanden ist – bei der Projektleitung.


Drei Verantwortungsbereiche, die real dazugekommen sind

Budgetverantwortung: Früher reichte es oft, das Honorarbudget zu kennen. Heute wird erwartet, dass ein Projektleiter aktiv steuert. Wann muss gegengesteuert werden? Welche Leistungsphase frisst mehr Stunden als kalkuliert? Das ist ein Unterschied zwischen einer Zahl kennen und eine Zahl verantworten.

Personaleinsatz als kaufmännische Entscheidung: Wer welche Aufgabe im Projektteam übernimmt, ist nicht mehr nur eine fachliche Frage, sondern eine wirtschaftliche. Ein erfahrener, teurer Mitarbeiter auf einer Aufgabe, die auch ein junger Kollege übernehmen könnte, verändert die Projektmarge messbar.

Frühzeitige Eskalation: Ob drohende Honoraranpassungen, Zusatzleistungen oder eine Budgetabweichung früh genug angesprochen wird, entscheidet sich in der Praxis meist bei der Projektleitung, denn sie bemerkt es als Erste. Die eigentliche Entscheidung, wie damit umgegangen wird, bleibt in der Regel bei der Geschäftsführung. Verändert hat sich vor allem die Erwartung, dass die Projektleitung dieses Signal überhaupt rechtzeitig gibt, statt es erst bei der nächsten kaufmännischen Auswertung auffallen zu lassen.

Die Ausbildung zieht nicht mit

Die beschriebene Rollenverschiebung ist an vielen Stellen schneller passiert, als sich Ausbildung und Einarbeitung angepasst haben. Das heißt nicht, dass angehende Architekten und Ingenieure gar keine kaufmännischen Inhalte lernen. Themen wie Ausschreibung, Vergabe oder Abrechnung nach VOB kommen in vielen Studiengängen durchaus vor. Was in der Regel fehlt, ist, das eigene Büro-Budget für ein Projekt zu führen, Personalkosten realistisch einzuschätzen oder zu erkennen, an welchem Punkt ein Projekt für das eigene Büro unwirtschaftlich wird.

Nahaufnahme von zwei Personen am Schreibtisch, die gestikulierend einen Bauplan und Farbmuster besprechen.

Warum Wissen allein nicht reicht

Kaufmännisches Verständnis hilft einem Projektleiter nur dann, wenn er auch verlässliche, aktuelle Zahlen zur Verfügung hat. In der Praxis fehlt oft nicht nur das Wissen, sondern die Datengrundlage selbst. Stundenerfassungen, die erst mit Wochen Verzug gebucht werden, Budgetübersichten, die manuell zusammengetragen werden müssen, oder Zahlen, die an drei verschiedenen Stellen leicht unterschiedlich aussehen. Selbst ein Projektleiter mit gutem kaufmännischem Verständnis kann eine Entwicklung nicht früh erkennen, wenn die Zahlen, auf die er sich stützt, bereits veraltet sind, wenn er sie sieht.

Zwei Personen im Büro, die mit Stift und Finger wichtige Kennzahlen und Diagramme auf einem Bericht analysieren.

Was das für Büros bedeutet

Wer diese Entwicklung ernst nimmt, kann an zwei Stellen ansetzen, die sich ergänzen, aber nicht ersetzen. Die eine ist strukturelle Weiterbildung: kaufmännisches Grundwissen als festen Bestandteil der Einarbeitung neuer Projektleiter zu etablieren, statt es dem Zufall zu überlassen. Die andere ist der Zugang zu aktuellen, verlässlichen Projektzahlen – nicht nachträglich zusammengestellt, sondern zeitnah verfügbar, wenn eine Entscheidung ansteht.
Schulung vermittelt das Verständnis dafür, worauf es ankommt. Aktuelle Daten machen dieses Verständnis im Projektalltag überhaupt erst anwendbar. Fehlt eines von beiden, bleibt die kaufmännische Verantwortung der Projektleitung eine Erwartung ohne die Mittel, ihr gerecht zu werden.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft.


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